Die Jugendjahre in Saaz. Karel Reiner wurde am 27. Juni 1910 in Saaz (Žatec) als Sohn von Josef Leib Reiner und Sime, geborene Scherlag, geboren. Sein Vater stammte aus Czernowitz in der Bukowina, die habsburgisches Kronland war und heute zu Teilen in Rumänien und der Ukraine liegt. Die Stadt war geprägt von einem bunten Völkergemisch, in der Mehrheit Deutsche und Juden. Josef Reiner nahm seine ostjüdische Tradition mit nach Saaz und gab sie später an Karel weiter. Er hatte in Wien am Konservatorium Gesang und dramatische Darstellung studiert und arbeitete danach in Saaz als Klavier- und Gesangslehrer. Außerdem war er Oberkantor der jüdischen Gemeinde in Saaz, für deren Chor er Kompositionen schrieb. Er wirkte zudem als Musikkritiker, wobei er die öffentliche Meinung über Konzerte und Opernaufführungen stark beeinflusste.
Karel wuchs mit der deutschen Sprache auf, da die überwiegende Mehrheit in Saaz damals Deutsche waren und auch zu Hause Deutsch gesprochen wurde. Aber man mochte in seiner Familie die Deutschen nicht sonderlich, weil sie gegenüber der tschechischen und jüdischen Minderheit oft überheblich auftraten. Tschechisch lernte er erst auf dem Realgymnasium. Obwohl es kein Pflichtfach war, legte er als einer der wenigen Schüler das Abitur auch in Tschechisch ab. Diese Sprachkenntnisse sollten ihm später noch helfen.
Dass Karel schon als Kind eine musikalische Ausbildung in den Jugendjahren in Saaz erhielt, war in dieser Familie selbstverständlich. Klavierunterricht erhielt Karel zunächst von seine Mutter. Als Gymnasiast gab man ihn diesbezüglich in die Obhut der Ehefrau von Professor Ernst Mändel, der Musiklehrer am Gymnasium war. Bei ihr setzte er seine Klavierstudien fort. Mit zwölf Jahren beherrschte er bereits die Partituren der Oratorien von Haydn und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Bei Professor Mändel im Schulchor sang er die Alt-Solo Stimme.
Als 1938 die Deutschen in das „Sudetenland“ einmarschierten, musste Professor Mändel als Jude den Schuldienst
verlassen. Er und seine Familie wurden wenig später nach Theresienstadt (Terezín) deportiert und 1944 weiter nach Auschwitz verschleppt, wo sie ermordert wurden. Ihre Tochter Eva Roubíčkova überlebte und veröffentlichte 2009 ihr Tagebuch über das Leben im Ghetto Theresienstadt.
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